In den letzten beiden Oktoberwochen löste die Berichtssaison teilweise heftige Kurseinbrüche bei Aktien aus, insbesondere im Bereich der künstlichen Intelligenz. Einige Kommentatoren sprachen bereits von „News Failure“: Selbst gute Unternehmensergebnisse reichten nicht mehr aus, um die Aktienkurse zu stabilisieren oder weiter anzutreiben. Zunehmend besorgt zeigten sich Investoren über die gigantischen Summen, die Big Tech in die KI-Infrastruktur investiert, ohne dass kurzfristig entsprechende Erträge absehbar wären.
Während sich der Dow Jones (+1.7%) und der Russell 2000 (+0.5%) im Oktober im positiven Bereich halten konnten, gab der S&P 500 um 0.9% nach, der Nasdaq Composite verlor gar 5.3%. Unter der Oberfläche kam es allerdings zu aussergewöhnlich heftigen Kursausschlägen. Innerhalb der „Magnificent Seven“ büssten Alphabet, Meta und Nvidia jeweils mehr als 10% ein, während Tesla, Apple und Microsoft den Monat im Plus beendeten.
In Europa legte der Stoxx 600 um 1.9% zu. Der eher defensiv ausgerichtete Swiss Leader Index (SLI) verzeichnete mit einem Plus von 6.3% sogar eine deutlich stärkere Entwicklung.
Etwas Entspannung zeigte sich am Anleihemarkt: Die Renditen zehnjähriger US-Treasuries sanken von 5.3% auf 4.9%. Auch in Deutschland und der Schweiz gaben die Renditen langfristiger Staatsanleihen nach. In Europa verschärfte sich hingegen die Sorge über den zunehmenden Renditeabstand zwischen französischen und deutschen Staatsanleihen.
Interessant ist dabei, dass der jüngste Rückgang der langfristigen Anleiherenditen weniger auf sinkende Inflationserwartungen als vielmehr auf eine Entspannung bei den Realzinsen zurückzuführen sein dürfte. Die enormen Investitionen in KI-Infrastruktur und Rechenzentren hatten zuvor eine erhebliche zusätzliche Kapitalnachfrage ausgelöst. Sollten sich die Erwartungen an diese Investitionsdynamik abschwächen, könnte dies nicht nur die Technologiebranche, sondern auch das Wirtschaftswachstum und das allgemeine Zinsniveau beeinflussen.
Am Kreditmarkt deutete die Ausweitung der Spreads von US-Unternehmensanleihen mit einem Rating von CCC oder tiefer auf über 13% auf eine zunehmende Risikoaversion hin.
Auch Gold bot keinen Schutz vor den Turbulenzen und fiel zum Monatsende unter die Marke von USD 4’000 je Unze. Brent-Rohöl verteuerte sich derweil auf USD 113 je Fass. Die anhaltend hohen Energiepreise dürften die Inflationsbekämpfung der Notenbanken und deren geldpolitische Reaktionsfunktion auf die Probe stellen.
In den kommenden Wochen wird entscheidend sein, ob sich die Kurse der Technologieaktien stabilisieren können. Gleichzeitig stellt sich die Frage, ob eine Entspannung im Nahen Osten den Druck auf die Ölpreise verringern wird. Davon dürften auch die Erwartungen hinsichtlich der weiteren Leitzinsentwicklung massgeblich beeinflusst werden. Der Oktober zeigte jedenfalls, dass sinkende Renditen langfristiger Anleihen allein nicht ausreichen, um das Vertrauen der Anleger wiederherzustellen, wenn gleichzeitig Unternehmensgewinne, Finanzierungskosten und Inflationsaussichten infrage gestellt werden.
Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der USA wuchs im dritten Quartal 2026 annualisiert um 3.4%. Damit beschleunigte sich das Wirtschaftswachstum deutlich und übertraf die Analystenerwartungen klar. Bereinigt um den erheblichen negativen Beitrag des Aussenhandels – Exporte abzüglich Importe – lag die reale Wachstumsrate sogar bei deutlich über 6%. Im zweiten Quartal hatte das Wachstum noch 2.2% betragen.
Die verschiedenen Inflationsindikatoren verharrten sowohl in den USA als auch in Europa auf erhöhtem Niveau. Wie erwartet liessen die US-Notenbank Fed und die EZB ihre Leitzinsen unverändert. Bis zum Jahresende preiste der Markt in den USA noch eine Zinserhöhung ein. Auch in Europa könnte es nochmals zu einem Zinsschritt kommen. Bei der letzten EZB-Sitzung stand allerdings vor allem die Ankündigung von Christine Lagarde im Vordergrund, ihr Amt bereits Anfang Februar 2027 niederzulegen. Dies könnte Präsident Macron und Bundeskanzler Merz die Gelegenheit bieten, sich noch vor den anstehenden Wahlen auf eine Nachfolge an der Spitze der EZB zu verständigen.
Bei vielen Börsenkommentatoren lässt sich eine ausgeprägte Grundtendenz erkennen: Entweder sie argumentieren optimistisch und bullisch oder pessimistisch und bärisch. Daten und Entwicklungen, die nicht in das jeweilige Narrativ passen, werden dabei gerne – bewusst oder unbewusst – ausgeblendet.
Aus saisonaler Sicht zählt der November zu den stärksten Börsenmonaten, insbesondere in Jahren mit US-Zwischenwahlen. Wir bleiben gegenüber Aktien vorsichtig optimistisch positioniert. Die teilweise heftigen Kursverluste bei Unternehmen aus dem KI-Ökosystem unterstreichen allerdings einmal mehr die Bedeutung einer breiten Diversifikation. Neben zyklischen Wachstumswerten halten wir deshalb auch defensivere Titel aus den Sektoren Gesundheitswesen, nichtzyklische Konsumgüter und Versorger. Als Absicherung gegen eine weitere Eskalation im Nahen Osten dürften zudem Aktien aus dem Energiesektor gefragt bleiben.
Die Renditen erstklassiger Staatsanleihen könnten im Falle einer konjunkturellen Abkühlung Anfang 2027 weiter sinken, was entsprechende Kursgewinne zur Folge hätte.
Der Goldpreis ist kurzfristig unter die Marke von USD 4’000 je Unze gefallen. Möglicherweise waren Zwangsliquidationen zur Beschaffung von Liquidität dafür mitverantwortlich. Mittelfristig rechnen wir wieder mit steigenden Notierungen. Als sichere Hafenwährungen in turbulenten Zeiten dürften weiterhin der Schweizer Franken, der US-Dollar und der japanische Yen gefragt sein.
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