02. März 2026 • Monatsbericht März 2026

Künstliche Intelligenz: Wie Narrative über morgen die Märkte von heute bewegen

KI als prägendes Zukunftsnarrativ dieses Marktzyklus

Seit Jahresanfang entwickelten sich die Aktienmärkte ausserhalb der USA deutlich besser als der kapitalgewichtete US-Leitindex S&P 500. Allerdings zeigten sich auch innerhalb der USA markante Unterschiede zwischen den Indizes. Während der S&P 500 seit Jahresbeginn lediglich um 0.5% zulegte, stieg der gleichgewichtete S&P 500, der jedem Titel ein Gewicht von 0.2% beimisst, um 7.0% (gemessen am Invesco S&P 500 Equal Weight ETF, Ticker: RSP). Besonders unter Druck gerieten die „Glorreichen Sieben“, die im bisherigen Jahresverlauf 7.0% einbüssten (gemessen am Roundhill Magnificent Seven ETF, Ticker: MAGS). Der Small Cap Russell 2000 Index gewann dagegen seit Ende Dezember 2025 6.1%.
In Europa legte der Stoxx 600 seit Jahresbeginn 6.9% zu, während der Swiss Leader Index um 3.3% avancierte. Belastend wirkte insbesondere der Kursrückgang von 13% beim Indexschwergewicht UBS Group. Demgegenüber zeichnete sich bei Nestlé ein Trendwechsel ab: die Aktien des Nahrungsmittelkonzerns aus Vevey gewannen allein im Februar 14%.
In Asien setzte sich der Kursanstieg fort: der Shanghai Composite stieg um 4.9%, der Nikkei 225 um 16.9%, der taiwanesische Taiex um 22.3% und der südkoreanische Kospi um 48.2%.

An den globalen Anleihemärkten war seit Jahresbeginn ein Rückgang der langfristigen Renditen zu beobachten. Die Rendite zehnjähriger US-Treasuries sank zum Monatsende auf 3.96% (Jahresende 2025: 4.15%) und lag damit erstmals seit Oktober 2025 wieder unter der Marke von 4%. In Europa gingen die Renditen zehnjähriger Staatsanleihen ebenfalls moderat zurück: in Deutschland auf 2.65% (2.86%), in der Schweiz auf 0.20% (0.32%). Spanien verzeichnete 3.06% (3.29%), Frankreich 3.22% (3.56%), Italien 3.28% (3.51%) und Griechenland 3.30% (3.48%). Auch im Vereinigten Königreich sanken die Renditen in den ersten beiden Monaten des Jahres, von 4.47% auf 4.24%. Selbst in Japan gaben die Renditen 10-jähriger Staatsanleihen zuletzt nach, lagen mit 2.12% aber noch leicht über dem Stand von Ende 2025 (2.07%).

Im Kreditsegment traten zunehmend Spannungen bei Private Credit- und Private Debt-Vehikeln zutage, nachdem bei einem bedeutenden Fonds (Blue Owl Capital Corp II) Rücknahmen dauerhaft ausgesetzt wurden. Dies belastete auch die Performance eines liquiden Kreditvehikels von BlackRock. Der BlackRock TCP (Ticker: TCPC) verlor seit Jahresbeginn 25%.
Die Kreditaufschläge für Hochzinsanleihen entwickelten sich uneinheitlich. In den USA stiegen sie auf 2.98% (2.81%), während sie in Europa leicht auf 2.64% (2.70%) sanken. In den ersten beiden Monaten des Jahres entwickelten sich Investment-Grade-Anleihen beidseits des Atlantiks insgesamt etwas besser als Hochzinsanleihen.

Die Edelmetallmärkte setzten ihren Aufwärtstrend nach einem kurzen, aber heftigen Rücksetzer Ende Januar und Anfang Februar fort. Per Ende Februar resultierte ein Jahresplus von 22% für Gold und 32% für Silber. Goldminenaktien (gemessen am VanEck Gold Miners ETF, Ticker: GDX) legten in den ersten beiden Monaten 35% zu. Bitcoin hingegen – oft als „digitales Gold“ bezeichnet – verlor seit Jahresbeginn 25% und notierte seit seinem Höchst im Oktober 2025 knapp 50% tiefer (in USD). Die Preise für WTI-Rohöl steigen seit Jahresanfang um 17%, jene für Kupfer um 7%.

Am Devisenmarkt gab der Dollarindex DXY seit Jahresbeginn 0.7% nach. Gegenüber dem Euro konnte der Greenback im Februar leicht Boden gutmachen. Zum Monatsende lag EUR/USD bei 1.181 (Ende Januar: 1.185; Ende Dezember 2025: 1.175). Der Schweizer Franken setzte seine Aufwertung fort. EUR/CHF notierte Ende Februar bei 0.908 (Ende Dezember 2025: 0.931), USD/CHF-Kurs bei 0.769 (0.793).

 

Das Wachstum der US-Wirtschaft lag im 4. Quartal 2025 aufgrund des lang anhaltenden „Government Shutdowns“ mit 1.4% unter den ursprünglichen Erwartungen. Für das 1. Quartal 2026 wird derzeit ein Wachstum von 3.0% geschätzt (Atlanta Fed GDPNow, Stand 27. Februar 2026). Die jährliche US-Inflationsrate sank im Januar 2026 auf 2.4% (zuvor 2.7%). Für Februar wird eine Gesamtinflation von 2.41% beziehungsweise eine Kerninflation von 2.46% erwartet (Cleveland Fed Inflation Nowcasting, Stand 27. Februar 2026).

Unter den grossen Notenbanken wird im März einzig von der Bank of England ein Zinsschritt erwartet: der Leitzins dürfte anlässlich der Sitzung vom 19. März um 0.25% gesenkt werden. In den USA rechnet der Markt erst ab der Jahresmitte mit zwei bis drei Zinssenkungen zu je 0.25%. Zinserhöhungen werden dagegen in Japan, Australien und Neuseeland erwartet.

Kurzfristig ist mit makroökonomischen Turbulenzen zu rechnen, allenfalls sogar mit stagflationären Tendenzen. Der weitere Verlauf des 1. Halbjahres 2026 dürfte jedoch günstig bleiben. Wir gehen von einem Goldilocks-Szenario mit soliden Wachstumsraten bei nachlassendem Inflationsdruck aus. Eine lockerere Geldpolitik könnte sich daraus ableiten und die Preise von Finanzanlagen stützen. Ein möglicher Anstieg der Arbeitslosenquote infolge des zunehmenden Einsatzes künstlicher Intelligenz könnte zusätzlichen geldpolitischen Spielraum eröffnen.

KI ist zum dominierenden Narrativ dieses Zyklus geworden. Doch Märkte handeln nicht Narrative per se – sie handeln den Zeitpunkt ihrer Verwirklichung. Die Neubewertung in ausgewählten Aktiensegmenten reflektiert daher nicht nur Vertrauen in technologischen Fortschritt, sondern vor allem Überzeugungen darüber, wie rasch Innovation in Produktivität, Margen und Cashflows einfliesst. Verschiebt sich dieser Zeithorizont, verschieben sich auch die Bewertungen. Die entscheidende Frage lautet weniger, ob KI von Bedeutung sein wird, sondern wann ihre Versprechen zu messbaren ökonomischen Resultaten führen. An den Kapitalmärkten werden Erwartungen stets durch Zeit ausgedrückt – und letztlich ist es die Zeit, die den Preis bestimmt…

 

Der März gilt saisonal als launischer Börsenmonat und wird nicht selten mit den „Iden des März“ assoziiert. Angesichts der kriegerischen Eskalationen im Nahen Osten ist kurzfristig mit erhöhter Volatilität zu rechnen. Wir bleiben jedoch vorsichtig optimistisch und würden bei ausgeprägten Rückschlägen selektiv Positionen aufstocken. Entscheidend bleibt eine breite Diversifikation – nicht nur nach Regionen und Sektoren, sondern auch nach Stilfaktoren.
In diesem Zusammenhang gewinnt der Begriff „HALO-Effekt“ an Bedeutung. Das Akronym steht für „heavy asset low obsolescence“ und beschreibt Unternehmen mit substanziellen physischen Vermögenswerten, deren Geschäftsmodelle nur einem geringen technologischen Alterungsrisiko ausgesetzt sind. Der Fokus sollte dabei konsequent auf erwarteten zukünftigen – nicht vergangenen – Cashflows, Margen und Gewinnen liegen.

Sinkende Inflationsraten dürften sinkende Zinsen nach sich ziehen und die Preise von Anleihen mittlerer und längerer Laufzeiten begünstigen. Zudem bieten Staatsanleihen einen gewissen Schutz in Phasen erhöhter Marktunsicherheit, auch wenn wir derzeit nicht von einem ausgeprägten Konjunkturabschwung ausgehen.

Im Kreditbereich bevorzugen wir weiterhin Investment-Grade-Unternehmensanleihen gegenüber Hochzinsanleihen. Gegenüber Private Credit- und Private Debt-Vehikeln bleiben wir äusserst selektiv. Engagements in Schwellenländeranleihen erscheinen dagegen prüfenswert.

Gold bleibt eine substanzielle Portfolioallokation. Geopolitische Spannungen, strukturelle Nachfrage seitens der Zentralbanken und sinkende Zinsen bilden ein unterstützendes Umfeld. Zusätzliche Engagements im Rohstoffbereich werden geprüft.

Trendfolge-Fonds (CTAs) entwickelten sich in den vergangenen Monaten erfreulich. Aufgrund ihrer geringen Korrelation zu traditionellen Anlageklassen stellen sie weiterhin einen wertvollen Baustein zur Portfoliodiversifikation dar.

Im Währungsbereich erwarten wir einen starken Schweizer Franken. Eine Rückkehr der SNB in den negativen Zinsbereich halten wir derzeit für unwahrscheinlich. Beim Währungspaar EUR/USD rechnen wir mit einem stärkeren Dollar; ein nachhaltiger Ausbruch über $1.20 erscheint wenig wahrscheinlich. Die EZB dürfte im Jahresverlauf zu Zinssenkungen gezwungen sein, was derzeit vom Markt nicht eingepreist wird. Als Zufluchtsort und „Sichere Hafen“-Währung könnte sich zudem der JPY entpuppen und dadurch eine Aufwertung erfahren.

„Zeit ist nicht das Wichtigste. Sie ist das Einzige.“
Miles Davis |
US-amerikanischer Jazz-Trompeter und musikalischer Innovator