Nach der aussergewöhnlichen Dominanz der grossen Technologiewerte in der ersten Jahreshälfte schichteten Investoren ihre Aktienportfolios verstärkt in breitere Marktsegmente um. Ein Symbol dieses Stimmungsumschwungs war der Hedgefonds Situational Awareness, dessen stark gehebeltes Portfolio nach massiven Verlusten im Technologiesektor und drohenden Margin Calls liquidiert werden musste. Der S&P 500 verlor im Juli 0.1%, der technologielastige Nasdaq Composite 3.2% und der Russell 2000 3.1%. Demgegenüber gewann der gleichgewichtete S&P 500 (Invesco RSP ETF) 1.1%. Seit Jahresbeginn ergibt sich folgende Performance: Russell 2000 +18.1%, RSP ETF +12.2%, S&P 500 +9.4% und Nasdaq Composite +9.2%.
Von der Sektorrotation profitierten die europäischen Aktienmärkte. Der Stoxx Europe 600 gewann 1.2% und erreichte neue Allzeithochs, während der Schweizer SLI um 0.7% zulegte. Die asiatischen Aktienmärkte blieben dagegen ausgesprochen volatil. Der japanische Nikkei 225 verlor im Juli 8.1%, während der Shanghai Composite seit Jahresbeginn 3.4% im Minus notierte. Südkorea (KOSPI +57%) und Taiwan (TAIEX +49%) blieben die klaren Spitzenreiter des laufenden Jahres; der Nikkei 225 lag trotz der jüngsten Korrektur weiterhin rund 28% im Plus.
Die globalen Anleihemärkte gerieten im Juli deutlich unter Druck. Die Renditen zehnjähriger Staatsanleihen stiegen vielerorts auf neue Jahreshöchststände. In den USA erhöhte sich die Rendite der zehnjährigen Treasury Note auf 4.75%, jene zweijähriger Staatsanleihen auf 4.29%. Auch in Europa setzte sich der Renditeanstieg fort. Zehnjährige Bundesanleihen rentierten mit 3.20% so hoch wie seit 15 Jahren nicht mehr. Der Schweizer Anleihemarkt konnte sich diesem Trend nicht entziehen, bewegte sich jedoch weiterhin auf deutlich tieferem Renditeniveau. Zehnjährige Eidgenossen rentierten Ende Juli bei 0.41%, japanische Staatsanleihen mit 2.80% auf dem höchsten Stand seit dem Ausstieg der Bank of Japan aus der Negativzinspolitik.
Die Kreditmärkte zeigten sich trotz steigender Staatsanleiherenditen bemerkenswert robust. US-Hochzinsanleihen schlossen den Monat mit Spreads von 2.84%, europäische High-Yield-Anleihen bei 2.65%. Seit Jahresbeginn erzielten Hochzinsanleihen beidseits des Atlantiks eine Rendite von rund 1.2%. Investment-Grade-Anleihen legten in Europa leicht zu (+0.2%), während sie in den USA 2.2% im Minus lagen.
An den Rohstoffmärkten stabilisierte sich Gold im Bereich von USD 4’000 je Unze. Der Spotpreis schloss Ende Juli bei USD 4’043 und legte im Monatsverlauf um 0.9% zu. Seit Jahresbeginn resultierte ein Minus von 6.3%. Brent-Rohöl verteuerte sich im Juli um mehr als 23% auf rund USD 90 je Barrel – der stärkste Monatsanstieg seit März. Kupfer gewann 3.4% und lag seit Jahresbeginn um mehr als 13% im Plus.
An den Devisenmärkten zeichnete sich gegen Monatsende eine Trendwende ab. Der Dollar-Index (DXY) verlor im Juli 1.3%, lag seit Jahresbeginn jedoch weiterhin 1.6% im Plus. Der EUR/USD-Wechselkurs stieg auf 1.153. Der Schweizer Franken gewann gegenüber dem US-Dollar leicht an Stärke und schloss nahezu unverändert bei 0.808. Gegenüber dem Euro setzte sich die Erholung des Vormonats fort; EUR/CHF beendete den Monat bei 0.931 und damit praktisch auf dem Niveau zu Jahresbeginn. Die markanteste Bewegung verzeichnete der japanische Yen. Nachdem USD/JPY zur Monatsmitte mit knapp 164 ein neues 40-Jahreshoch erreicht hatte, drehten koordinierte Interventionen der japanischen Behörden und des US-Finanzministeriums den Trend. Innerhalb weniger Handelstage fiel der Wechselkurs auf 157.6.
Das annualisierte Wachstum des US-Bruttoinlandprodukts wurde für das erste Quartal 2026 in der endgültigen Schätzung auf 2.1% bestätigt. Im zweiten Quartal fiel die erste Schätzung mit 1.5% zwar etwas enttäuschend aus. Bereinigt um den negativen Beitrag des Aussenhandels und leicht rückläufige Staatsausgaben präsentierte sich die Binnenkonjunktur jedoch deutlich robuster: Privatkonsum und Unternehmensinvestitionen wuchsen annualisiert um 3.9%. Für das dritte Quartal signalisiert das GDPNow-Modell der Atlanta Fed derzeit ein Wachstum von 5.0% (Stand 30. Juli). Die Rezessionssorgen haben damit deutlich an Bedeutung verloren. Auch an der Inflationsfront setzte sich die Entspannung fort. Die US-Gesamtinflation sank im Juni auf 3.5%, die Kerninflation auf 2.6%. Für Juli erwartete die Cleveland Fed eine weitere Abschwächung auf 3.4% beziehungsweise 2.5% (Stand 31.07.2026, Cleveland Fed Inflation Nowcasting).
Die Wirtschaft der Eurozone entwickelte sich im zweiten Quartal robuster als erwartet. Das Bruttoinlandprodukt legte gegenüber dem Vorquartal um 0.4% zu (ca. 1.6% annualisiert), nachdem es zu Jahresbeginn stagniert hatte. Für das dritte Quartal rechneten Ökonomen mit einem Wachstum von 0.6% (ca. 2.4% annualisiert). Die Inflation im Euroraum ging im Juni auf 2.8% zurück. Für Juli wurde ein leichter Anstieg auf 2.9% erwartet. Mehrere Volkswirte rechneten jedoch bereits im August wieder mit einer Teuerungsrate von über 3%.
Die Terminmärkte preisten bis Ende Jahr leicht höhere Leitzinsen ein. Im Fokus standen die Sitzungen der Europäischen Zentralbank und der US-Notenbank Mitte September. Der Markt mass beiden Notenbanken eine hohe Wahrscheinlichkeit für einen Zinsschritt um 25 Basispunkte bei. In der Schweiz rechneten die Märkte dagegen damit, dass die SNB den Leitzins bis Ende 2027 bei 0% belässt.
Die Marktreaktion auf den Zinsentscheid der US-Notenbank vom 29. Juli mit deutlich gestiegenen Renditen längerer Laufzeiten interpretierten viele Marktbeobachter als Ausdruck steigender Inflationserwartungen. Sie warfen Fed-Präsident Kevin Warsh vor, keinen überzeugenden geldpolitischen Kurs zur Inflationsbekämpfung aufzuzeigen. Dieser Einschätzung können wir jedoch nicht folgen. Entscheidend ist, dass die am Markt gehandelten Breakeven-Inflationsraten über fünf und zehn Jahre nahezu unverändert zwischen 2.25% und 2.30% verharrten. Stattdessen stiegen die realen Renditen. Aus unserer Sicht signalisierte dies weniger zunehmende Inflationsängste als vielmehr höhere Erwartungen an das reale Wirtschaftswachstum. Wir gehen deshalb davon aus, dass die Federal Reserve ihren Leitzins im September unverändert belassen wird. Für die Eurozone erwarten wir dagegen eine weitere Zinserhöhung um 25 Basispunkte.
Aufgrund der geldpolitischen Entwicklung in den USA und der erwarteten Produktivitätsgewinne durch den verstärkten Einsatz künstlicher Intelligenz erwarten wir bis zum Jahresende ein Goldilocks-Szenario mit solidem Wirtschaftswachstum und moderat rückläufigen Inflationsraten. Ein solches Umfeld spricht grundsätzlich für Risikoanlagen, insbesondere Aktien. Kurzfristige Volatilität könnte allenfalls im Vorfeld der US-Zwischenwahlen im November auftreten. Rückschläge betrachten wir jedoch eher als selektive Kaufgelegenheiten denn als Beginn eines neuen Bärenmarktes. Innerhalb des Aktienmarktes bevorzugen wir den Finanzsektor, der von einer steileren Zinskurve und einem robusten konjunkturellen Umfeld profitieren dürfte. Überzeugt sind wir auch vom langfristigen Potenzial des Informationstechnologiesektors. Darüber hinaus sehen wir für Industrie-, Energie- und Materialwerte ein attraktives Umfeld.
Aus Diversifikationsgründen halten wir an Staatsanleihen fest, insbesondere im mittleren Laufzeitenbereich. Grössere Kursgewinne erwarten wir zwar nicht, die attraktiveren Renditen sorgen jedoch für laufende Erträge und stabilisieren das Portfolio. Sollte sich das Wirtschaftswachstum unerwartet abschwächen, dürften Staatsanleihen zudem verstärkt von ihrer Diversifikationsfunktion profitieren. Als Absicherung gegen unerwartete Inflationsschübe halten wir eine kleinere Position in inflationsgeschützten Anleihen.
Im Kreditsegment bevorzugen wir Investment-Grade- gegenüber Hochzinsanleihen. Zwar rechnen wir kurzfristig nicht mit einer deutlichen Ausweitung der Kreditspreads, dennoch erscheint uns das Chance-Risiko-Verhältnis bei Aktien attraktiver. Bei Anlagen im Bereich Private Credit bleiben wir selektiv.
Gold bleibt ein strategischer Portfoliobaustein. Die Unterstützung im Bereich von USD 4’000 je Unze hat sich in den vergangenen Wochen mehrfach als robust erwiesen. Gelingt der Ausbruch über USD 4’200, dürfte sich der mittelfristige Aufwärtstrend wieder beschleunigen. Beim Erdöl erwarten wir dagegen im weiteren Jahresverlauf sinkende Preise. Für Kupfer bleiben wir konstruktiv.
Am Devisenmarkt rechnen wir bis zum Jahresende mit einem tendenziell schwächeren US-Dollar. Das grösste Aufwertungspotenzial sehen wir beim japanischen Yen sowie beim Euro und dem kanadischen Dollar. Der Schweizer Franken dürfte dagegen in einem konstruktiveren Marktumfeld einen Teil seiner Safe-Haven-Prämie einbüssen.