03. Februar 2026 • Monatsbericht Februar 2026

Die „Apprentice-Show“ der Fed endet – zumindest vorerst

Mit der Ernennung von Kevin Warsh zum neuen Fed-Chef findet monatelange mediale Spekulation ein vorläufiges Ende

Einmal mehr bestätigte sich die alte Börsenweisheit, wonach politische Börsen kurze Beine haben. Weder der US-Militäreinsatz in Venezuela Anfang Januar noch die Diskussionen um die Souveränität Grönlands oder ein möglicher Schlag gegen die politische Führung im Iran hinterliessen bislang nennenswerte Spuren an den globalen Aktienmärkten. Der US-Leitindex S&P 500 markierte im bisherigen Jahresverlauf bereits vier neue Allzeithochs und beendete den Januar mit einem Plus von 1.4%. Während der technologielastige Nasdaq Composite um 0.9% zulegte, gewann der konjunktursensitivere Russell 2000 im Monatsverlauf 5.3%.
In Europa stieg der Stoxx 600 um 3.1%, während der defensiv geprägte Schweizer Markt hinterherhinkte. Der Swiss Leader Index gab um 1.1% nach, belastet insbesondere durch Versicherungstitel wie Zürich, Swiss Life und Swiss Re sowie durch Richemont und Nestlé.
In Asien verlief der Jahresauftakt dagegen ausgesprochen stark. Der südkoreanische Kospi legte um 24.0% zu, der taiwanesische Taiex um 10.7%, der Hang Seng um 6.9%, der Nikkei 225 um 5.9% und der Shanghai Composite um 3.8%.

An den Anleihemärkten fehlte es im Januar an klaren Trends. Die Rendite zehnjähriger US-Treasuries stieg leicht auf 4.24% von 4.15%, während sie in Europa moderat zurückging: in Deutschland auf 2.84% von 2.86%, in der Schweiz auf 0.21% von 0.32%. Bemerkenswert war, dass französische Staatsanleihen mit 3.43% wieder knapp unter jenen Italiens (3.46%) rentierten. Die Renditen von Griechenland (3.35%) und Spanien (3.21%) blieben weiterhin leicht tiefer. In Japan setzte sich der Renditeanstieg fort. Zehnjährige Staatsanleihen rentierten zuletzt bei 2.25% nach 2.07% Ende 2025.

Die Kreditaufschläge für Investment-Grade- und Hochzinsanleihen gingen in den USA wie auch in Europa leicht zurück, was den Kursen von Unternehmensanleihen auf beiden Seiten des Atlantiks zu moderaten Zugewinnen verhalf.

Gleichzeitig zur Nominierung von Kevin Warsh zum neuen Vorsitzenden der US-Notenbank am letzten Handelstag im Januar kam es an den Edelmetallmärkten zu einem markanten Einbruch. Silber verzeichnete mit einem Tagesverlust von 27% den stärksten Rückschlag seiner Geschichte, während Gold mit knapp minus 10% den grössten Tagesverlust seit 1983 erlitt. Zeitgleich wurden die Margenanforderungen für Futures-Positionen deutlich erhöht. Trotz dieser Korrektur resultierte seit Jahresbeginn weiterhin ein Plus von 13% für Gold und von 19% für Silber. Bitcoin, oft als „digitales Gold“ bezeichnet, tat sich deutlich schwerer und verlor im Januar mehr als 10%. Der Kupferpreis stieg im Monatsverlauf um 4%, derjenige von WTI-Erdöl gar um 14%.

Am Devisenmarkt konnte der US-Dollar gegen Monatsende leicht Boden gutmachen, wies im Monatsverlauf gemessen am Dollarindex DXY jedoch weiterhin ein Minus von 1.4% auf. Der Schweizer Franken setzte seine Aufwertung fort. Der EUR/CHF fiel auf 0.916 (Ende Dezember: 0.931), der USD/CHF auf 0.773 (0.793). Gegenüber dem Dollar zeigte sich der Euro leicht fester; der EUR/USD stieg auf 1.185 nach 1.175 zum Jahresende.

Makroökonomisch präsentierte sich die US-Wirtschaft weiterhin in robuster Verfassung. Für das 4. Quartal 2025 wird ein annualisiertes Wachstum von 4.2% geschätzt (Atlanta Fed GDPNow, Stand 29. Januar 2026), nach 4.3% im 3. Und 3.8% im 2. Quartal. Gemäss dem Inflation Nowcasting der Cleveland Fed dürfte die US-Inflationsrate im Januar auf 2.36% gefallen sein, nach jeweils 2.7% im November und Dezember.

Der Markt rechnet derzeit damit, dass die Federal Reserve an den letzten beiden Sitzungen unter Jerome Powell im März und April den Leitzins unverändert bei 3.50-3.75% belässt. Für den weiteren Jahresverlauf werden ein bis zwei Zinssenkungen um jeweils 0.25% erwartet. Die Rendite zweijähriger US-Staatsanleihen – häufig als verlässlicher Frühindikator der Geldpolitik betrachtet – liegt aktuell bei 3.53% und zeigt einen sinkenden Trend. Zinserhöhungen im Laufe des Jahres werden hingegen in Australien, Neuseeland und Japan antizipiert.

Für die kommenden Monate gehen wir von einem klassischen Goldilocks-Szenario aus: solides Wachstum bei gleichzeitig nachlassendem Inflationsdruck. Die Ernennung von Kevin Warsh zum neuen Fed-Vorsitzenden dürfte ab Mitte Jahr geldpolitische Anpassungen nach sich ziehen. Der Fokus der Notenbank dürfte stärker auf der Angebotsseite liegen, mit dem Ziel eines nachhaltigen, nicht-inflationären Wachstums. Tiefere Zinsen könnten Investitionen in Produktionskapazitäten fördern und die Produktivität steigern, während eine gleichzeitige Reduktion der Bilanzsumme dazu beitragen soll, die Geldmenge unter Kontrolle zu halten.
Warsh gilt als entschiedener Kritiker einer ausufernden geldpolitischen „Mission Creep“. Er strebt eine Rückbesinnung auf das klassische Mandat der Notenbank – Preisstabilität und Vollbeschäftigung – an. Quantitative Lockerungsprogramme sollen stark zurückgefahren oder unter normalen Umständen ganz abgeschafft werden. Die damit entstehende geringere Nachfrage nach Staatsanleihen soll vermehrt durch Geschäftsbanken aufgefangen werden, etwa durch niedrigere regulatorische Kapitalanforderungen.

Vor diesem Hintergrund bleiben wir bei Aktien vorsichtig optimistisch positioniert. Gelingt dieser geldpolitische Kurswechsel, wären die Voraussetzungen für ein nachhaltiges, nicht-inflationäres Wachstum gegeben. Besonders profitieren dürften Finanzwerte sowie Titel aus dem Energie-, Industrie- und Materialsektor. Neben den Kernmärkten Schweiz, Europa und USA erachten wir Aktien aus Lateinamerika als interessante Ergänzung.

Im Anleihebereich kann eine schrittweise Verlängerung der Duration in Betracht gezogen werden. Sinkende Inflationsraten sprechen für fallende Zinsen, während Anleihen zugleich einen gewissen Schutz vor einer konjunkturellen Abkühlung bieten – ein Szenario, das wir derzeit allerdings nicht als Basisszenario betrachten.

An unserer strategischen Goldposition halten wir fest, auch wenn kurzfristig mit weiterem Preisdruck zu rechnen ist. In einer Bandbreite von $4‘300 bis $4‘600 je Unze erwarten wir eine Bodenbildung. Die Silberposition hingegen wurde im Monatsverlauf reduziert.

Am Devisenmarkt rechnen wir weiterhin mit einem starken Schweizer Franken. Der US-Dollar dürfte gegenüber dem Euro kurzfristig an Boden gewinnen. Positiv überraschen könnten zudem der japanische Yen und das britische Pfund.

„Inflation ist immer und überall ein monetäres Phänomen.“
Milton Friedman